Dezember 25
Die Linzer Schmuckexpertin Sarah Eckstein im Gespräch über Gold, Diamanten und Fallen.
Gold befindet sich in einem Aufwärtstrend, der zu einem Anstieg von über 50 % im Jahresverlauf 2025 geführt hat. Analysten prognostizieren für 2026 weitere Gewinne. Aber das vermeintliche Geschäft hat auch seine Schattenseiten, denn nicht alles, was glänzt, ist Gold und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Wir wollten wissen, ob und wie sich dieser Trend auf das Weihnachtsgeschäft und die damit verbundenen Weihnachtskäufe am Juwelier- und Schmucksektor auswirkt. Unsere Gesprächspartnerin ist die sympathische Juwelierin Sarah ECKSTEIN, die ihr traditionsreiches Geschäft in Linz Urfahr mit viel Leidenschaft und einem besonderen Gespür für die Wünsche Ihrer Kunden führt. Sie ist mit dem Juwelierhandwerk bestens vertraut.
Gerd Schneeweis: Die Preise für Gold und Silber, die begehrtesten Rohstoffe für die Schmuckherstellung steigen offenbar ständig. Steigt der Kurs noch weiter? Oder erleben wir bald das Platzen einer Blase?
Sarah Eckstein: (lacht) Wenn wir das wüssten, wären wir ziemlich schnell ziemlich reich. Nein, das hängt von zu vielen Faktoren ab. Dazu gibt es sehr unterschiedliche Meinung, aber genau weiß das meiner Meinung nach niemand.
Jedenfalls ist der Markt dieser begehrten Rohstoffe für Schmuckstücke derzeit in ständiger Bewegung. Wirkt sich das auf das Juweliergeschäft aus?
Ja, in Teilbereichen natürlich schon, aber nicht marginal. Die Rohstoffpreise gehen mal nach oben, mal nach unten. Das war schon immer so. Ebenso war und ist der Markt für Juwelen- Gold- und Silberschmuck ebenfalls schon immer Schwankungen unterworfen. Unter dem Strich spielt das aber keine große Rolle. Schließlich verkaufen wir unsere Schmuckstücke ja auch nicht nach dem jeweiligen Tageskurs, sondern zu fix ausgezeichneten Preisen gemäß Etikett. Im Augenblick ist es wohl so, dass der Kunde eher einen Mehrwert erhält, wenn der Goldanteil eines Schmuckstückes am Tag des Verkaufes höher ist als er am Tag unseres Einkaufes war. Man darf aber auch nicht vergessen, dass die wenigsten Schmucke ausschließlich aus Gold oder Silber gefertigt sind. Meist ist es erst der Besatz des Materials mit Diamanten, oder anderen Edelsteinen und nicht zu vergessen, die individuelle kreative Arbeit der Goldschmiedin, oder des Goldschmiedes das alles erst zu einem wertigen Schmuckstück zusammenfügt.
Unabhängig vom Rohstoffpreis für Gold oder Silber hört und liest man derzeit häufig von einem Rückgang der generellen Kauflust. Spürt man das auch im Weihnachtsgeschäft des Juweliers? Haben die Leute weniger Geld für Geschenke?
Nein, das kann ich in keiner Weise bestätigen. Ganz im Gegenteil. Es sieht momentan so aus, als könnten wir unser diesjährigen Umsätze gegenüber dem Vorjahr sogar deutlich steigern. Geld ist wohl vorhanden. Ich glaube allerdings, dass die Leute schon etwas länger überlegen, ehe sie eine Kaufentscheidung treffen. Die Kauflust scheint mir ungebrochen und der Kauf von hochwertigem Schmuck war schon immer eine gute Idee.
Taugt Schmuck denn als Kapitalanlage?
Na ja, ich bin ja keine Anlageberaterin. Aber wenn man einmal in Betracht zieht, dass Schmuck primär dazu da ist, seine Trägerin zu schmücken und ihr Freude zu bereiten, hat Schmuck schon einen deutlichen Aspekt zur Kapitalsicherung: jedes Schmuckstück – egal ob aus Gold oder Silber – hat auch nach Jahrzehnten noch einen Wert, der sich in Geld umsetzen lässt. Schmuck wird nie wertlos sein – im Gegensatz zur Aktien beispielsweise, die crashen schon mal von ganz oben nach ganz unten. Aber lassen wir das. Da kenne ich mich nun wirklich nicht aus. Schmuck hingegen ist werthaltig und lässt sich auch immer in „bare Münze“ umwandeln. Gold war schon immer eine stabile Wertanlage, jedenfalls über lange Zeiträume gesehen.
Okay, das Weihnachtsgeschäft läuft also gut. Aber das dürfte sich ja nicht nur im Schmucksegment widerspiegeln, oder?
Nein, natürlich nicht. Geschäftlicher Erfolg führt zunächst einmal immer über eine zufriedene Kundschaft. Ohne zufriedene Kunden geht gar nichts. Der Kunde ist bei uns König, und zwar immer. Da sind wir stockkonservativ. Die beste Kundschaft nutzt allerdings auch wenig, wenn man kein Gespür für das richtige Warenangebot hat. Wir führen ja nicht nur Schmuck in seinen vielen Facetten. Wir erweitern unser Angebot ständig. Beispielsweise gibt´s bei uns seit einiger Zeit eine beeindruckende Vielfalt im Bereich Verlobungs- und -Eheringe. Die kann sich sehen lassen und lässt keine Wünsche offen. Auch unsere neuen Designer Kollektionen an hochwertigem und trotzdem erschwinglichen Modeschmuck passen wir stets den aktuellen Trends an, damit wir immer auf dem neuesten Stand und „up to date“ sind. Das wissen die Kunden zu schätzen und es spricht sich herum.
Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange?
Nein, noch lange nicht. Extrem erfolgreich geht es in unserer hauseigenen Uhrmacherwerkstatt zu. Wir beschäftigen einen erfahrenen, hochqualifizierten Uhrmachermeister. Der spielt sozusagen „alle Stückerln“. Egal, ob Armband- Taschen-, Wand,- Standuhr, oder der Geliebte alte Schreibtischwecker – das kriegt er in der Regel alles wieder hin.
Also ist auch dort die Nachfrage wahrscheinlich groß?
Ja, und wie – das spricht sich ja auch herum, denn gute Uhrmacher sind leider zu einer aussterbenden Spezies geworden- das wissen viele „Uhrenfreaks“ aus eigener leidvoller Erfahrung.
Kann man daraus schließen, dass es beim Juwelier Eckstein auch Angebote von Vintage Uhren gibt?
Natürlich wächst mit unserer Uhrmacherei auch das Angebot an Vintage-Uhren ständig. Auch hier bei wachsender Nachfrage, da wir sämtliche Zeitmesser nur komplett serviciert zum Kauf anbieten – inkl. Garantie und Echtheitsbestätigung natürlich. Das gibt auch dem Laien unter den Kunden die nötige Sicherheit, die er braucht und auch haben will.
Kann man seine Pretiosen, also auch Uhren begutachten und schätzen lassen?
Aber klar – zuverlässig und genau natürlich. Auch in Anbetracht der vielen Fälschungen aus dem asiatischen Raum gerade bei hochwertigen Markenuhren wie beispielsweise Rolex ist das heutzutage immer ein Thema, zumal solche Fälschungen teilweise schwer zu erkennen sind.
Aber für den Fachmann ist das kein Problem?
Für uns jedenfalls nicht, wir können das erkennen, auch wenn es oft schwierig ist.
Noch einmal zurück zu Gold und Schmuck. Wie sieht´s mit Umarbeitungen von Schmuck und individuellen Anfertigungen aus?
Das machen wir sogar besonders gerne, da es unsere Kreativität fordert und die stellen wir gerne unter Beweis. Für unsere erfahrenen und hochqualifizierten Goldschmiedemeisterinnen und -Meister ist „nichts unmöglich“. Alles wird sorgfältig nach Kundenwunsch geplant und fachlich perfekt umgesetzt.
Sie haben bereits erwähnt, dass Schmuck werthaltig bleibt und sich auch immer in „bare Münze“ umwandeln lässt. Wie aber funktioniert das ist der Praxis? Wie mache ich Schmuck wieder zu Geld?
Schmuck besteht meist aus 3 Komponenten: einem Grundmaterial wie Gold, oder Silber, die Ausschmückung, oder Verzierung mit Edelsteinen und die Verarbeitung durch einen Goldschmied, oder einen industriellen Vorgang. Zumindest die Grundmaterialen haben und behalten einen Wert, und sind deshalb immer verkäuflich.
Aber wer kauft gebrauchten Schmuck?
Man kann solche Waren beispielsweise über ein Auktionshaus schätzen und versteigern lassen, oder einem seriösen Schmuckhändler zum Kauf anbieten. Das funktioniert schon immer so.
Gibt´s Alternativen?
Alternativen gibt es immer. Man kann beispielsweise ja auch von „Privat an Privat“ verkaufen, oder den Schmuck einem Juwelier, oder einem seriösem Goldankaufhändler anbieten.
Der Privatverkauf klingt verlockend: ein unkompliziertes Geschäft: „Schmuck gegen Geld“, aber da scheint mir eine objektive Wertermittlung eher schwierig. In der Regel sind ja beide keine Fachleute für Schmuck. Fest steht nur, dass der Verkäufer einen möglichst hohen Verkaufspreis erzielen will und der Käufer möglichst wenig bezahlen will. Keine gute Ausgangssituation also. Und beim professionellen Schmuckankauf bleibt dann wieder die Frage offen, wie und wo ich einen solchen wirklich seriösen Gold- und Schmuckankauf Händler finden kann? Haben Sie einen Tipp, welche Kriterien man beachten sollte?
Ja, da gibt es schon ein paar wichtige Dinge, die man beachten sollte, damit am nicht „über den Tisch gezogen“ wird.
Kann man das in ein paar grundsätzliche Regeln fassen?
Ja, das kann man, es gibt schon so einiges zu beachten, das immer hilfreich ist. Das Wichtigste ist eine völlig Transparenz beim Verkauf. Am besten ich erkläre das am Beispiel, wie das bei uns abläuft. Mit unserer langjähriger Erfahrung als Juwelier und Goldhändler erstellen wir zunächst eine fachliche Bewertungs-Expertise in Gegenwart des Kunden. Für jedes einzelne Stück wird die Echtheit und das exakte Gewicht ermittelt. Dazu verwenden wir professionelle Hilfsmittel wie Prüfsäuren, hochwertige Diamantprüfer, oder eine amtlich geeichte Waage. Es ist das Standart-Equipment seriöser Experten, wie es beispielsweise auch von den Experten bei Bares für Rares verwendet wird. Das bildet dann die Grundlage für die Ermittlung des Wertes für jedes einzelne Stück, der sich wiederum stets am aktuellen Börsenpreis des jeweiligen Edelmetalls orientiert. Der Kunde wird von uns offen über jeden Schritt informiert. Erst dann unterbreiten wir unser Angebot. Jeder Kunde kann dann für sich selbst.
Allgemein gesprochen sind das dann also die Kriterien, an denen man einen seriösen Gold- und Schmuckankauf Händler erkennen kann?
Ja, genauso gehört sich und genauso verfährt jeder seriöse Gold- und Schmuckankauf Händler.
Wie sieht es bei Schmuckstücken mit Edelsteinbesatz aus?
Als erfahrene Schmuck und Edelsteinhändler prüfen, schätzen und bewerten wir diese natürlich zusätzlich. Das macht jeder seriöse Goldhändler.
Gut. Allerdings sind nicht alle Methoden beim Goldankauf seriös. In letzter Zeit werben Goldankäufer vermehrt mit „Höchstpreisen für Ihre alten Pelzmäntel bis zu 10.000 Euro“. Soweit ich weiß, gelten alte Pelzmäntel aber heutzutage als unverkäuflich, Das klingt nicht wirklich seriös?
Das ist es auch nicht. Der Ankauf von Pelzen wird nämlich immer davon abhängig gemacht, dass man dort auch Gold verkauft. Man schätzt einen nahezu wertlosen Pelzmantel extrem hoch ein, fernab jeder Realität zu seiner tatsächlichen Verkäuflichkeit. Damit lockt man die Leute zum Verkauf von Gold, wobei der Wert des Goldes dann extrem niedrig eingeschätzt wird, nämlich zu einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes.
Und darauf fallen die Leute wirklich rein?
Leider ja. Meist sind die Opfer ältere Menschen, die Pelzmäntel besitzen und sich mit deren Verkauf ködern lassen. Sogar das Bundesministerium des Inneren warnt im Internet ausdrücklich vor diesen betrügerischen Machenschaften in Sachen „Pelzankauf“ und beschreibt das so: „Die Betrüger setzen den Goldpreis des Schmucks sehr niedrig an und behaupten: „Das ist kein echtes Gold“; „der Goldpreis ist derzeit gefallen“; „der Preis gilt nur jetzt“. Die Verkaufswilligen haben keine Vergleichsmöglichkeit, ob der angebotene Goldpreis stimmt.“ Hier fehlt es also an jeglicher Transparenz.
Dann hoffen wir mal, dass wir unsere Leser zukünftig vor diesen hochkriminellen Machenschaften schützen können. Ein aktueller Fall von Pelzbetrug beschäftigt derzeit die Polizei in Oberösterreich. Pelzbetrüger hatten sich in einem Hotel eingemietet und unter Zuhilfenahme des Pelzbetrug-Tricks versucht, einem Pensionisten wertvollen Schmuck um weniger als 10 % des tatsächlichen Wertes abzuluchsen.
Herzlichen Dank für das aufschlussreiche und offene Gespräch.
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Herausgeber: Hannes Kahr
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